Kurzgeschichte: Der Spieler


Der Spieler
Von Axel Baumgart

Denis Kudalenko hatte nicht mehr lange zu leben. Diese Erkenntnis basierte weder auf Röntgenbildern noch auf einer Krebserkrankung. Denis Kudalenko spielte auch nicht mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Aber das war auch so ziemlich das einzige, mit dem er nicht spielte. Karten, Würfel, Roulette, Sportwetten – es gab kein Spiel, auf das er sich nicht einließ, wenn nur der Einsatz hoch genug war und er viel Geld gewinnen konnte. Aber Denis Kudalenko hatte in den letzten Wochen nicht gewonnen. Er hatte viel gewagt. Nach jedem Verlust etwas mehr und etwas riskanter. Aber er hatte nicht gewonnen. Barkus hatte ihm immer wieder mit Geld geholfen und so ermöglicht, dass Denis Kudalenko wochenlang mit frischem Geld spielen konnte.

Vor eine halben Stunde war Barkus – Denis Kudalenko hatte erfahren, dass Barkus mit Vornamen Alvin hieß und sofort verstanden, warum er ohne Vornamen leben wollte – vor einer halben Stunde also war Barkus bei ihm gewesen. Seine Ansprache war ebenso kurz gewesen, wie die Haare seiner bewaffneten Begleiter:

„24 Stunden. Dann will ich Kohle sehen. Du kennst die Regeln. Ich hoffe, du hast das Geld.“

Ein anderer hätte vielleicht noch ein „Sonst …“ hinzugefügt. Bei Barkus bestand dafür aber keine Notwendigkeit. Jeder, der zu Barkus kam und Geld wollte, hörte die selben Worte:

„Ich verleihe nichts. Ich kaufe. Finger, Hände, Arme, Beine. Auch Köpfe. Wenn du mir etwas verkaufen willst, bekommst du es nur zurück, wenn du es mir wieder abkaufst. Wenn ich es sage. Zu meinem Preis. Was willst du mir heute verkaufen?“

Denis Kudalenko hatte jede Zelle, jedes Haar an Barkus verkauft. Morgen würde Barkus kommen, um sich zu holen, was ihm gehörte. Es sei denn, er konnte es zurückkaufen. Zum doppelten Preis. Das waren die Regeln von Barkus.

Alles, was sich zu Geld machen ließ, hatte Denis Kudalenko verkauft, bevor er zu Barkus gegangen war. Freunde hatte er schon lange keine mehr. Er lag auf seiner fleckigen Matratze und seine Gedanken drehten sich im Kreis, als sich plötzlich in der Kreismitte ein Punkt bildete. Sollte das wirklich die Lösung sein?

[An dieser Stelle möchte ich alle einladen, die Geschichte selber weiter zu schreiben und als Kommentar hier einzufügen. Mein eigenes Ende folgt hier:]

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Bitte Euer Ende ganz unten als Kommentar einfügen …

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Und das hier ist meine eigenes Ende:

Barkus händigte bei jedem Kauf eine Art „Quittung“ aus. So wussten seine Kunden immer, was sie noch zurückkaufen mussten. Denis Kudalenko kramte die Papierfetzen aus einer modrig riechenden Schublade.

18.06. Hand, rechts, eine
19.06. Ohren, zwei
22.06. Zeige- und Mittelfinger, links, je einer
23.06. Nase, eine, Kniescheibe, zwei
25.06. Bein, rechts, mit Fuß, eins

So ging es weiter, bis am 08.07. auf dem Zettel Stand: „Kopf, mit Hals, bis zum Rumpf, einer“. Auf keinem der Zettel jedoch stand „Hand von Denis Kudalenko“, oder „Finger von Denis Kudalenko“. Eine grausige Idee nahm in seinem Kopf immer mehr Gestalt an.

Als Barkus am nächsten Tag zu ihm kam, fand er die Wohnung völlig verdreckt vor. Dunkle, erdige Flecken wechselten sich mit in Plastiktüten verpackten Paketen unterschiedlicher Größe ab. Es stank ekelerregend. Inmitten dieses Chaos stand Denis Kudalenko und lächelte.

„Was kaufst du heute von mir zurück?“, fragte Barkus ohne Einleitung.
„Nichts!“
„Dann nehme ich mir jetzt, was mir gehört. Hand, rechts, eine.“

Als die beiden Begleiter von Barkus auf Denis Kudalenko zugingen, zeigte dieser gelassen auf ein kleineres Paket, das neben dem erdverschmierten Spaten auf dem Boden des Zimmers lag. Barkus gab mit dem Kopf ein kurzes Zeichen. Daraufhin hob einer der Begleiter das Paket auf und brachte es Barkus. Dieser öffnete es und eine halb verweste Hand kam zum Vorschein. Barkus schaute Denis Kudalenko fragend an, welcher nur sagte:

„Eine Hand verkauft, eine Hand geliefert.“

Barkus nickte, und sie gingen die Quittungen Stück für Stück durch. Als sie die letzte Quittung, das letzte Paket überprüft hatten, fragte Denis Kudalenko in einem Moment des Übermutes:

„Und, was kaufst du mir heute ab?“
„Ist dir das noch wichtig?“
„Nein, kaufe, was du willst!“

Barkus gab Denis Kudalenko das Geld. Viel Geld. Mehr, als er jemals besessen hatte. Und eine Quittung. Als Barkus zur Tür ging, bemerkte Denis Kudalenko zum ersten Mal, dass Barkus leicht hinkte. Dann sah er auf die Quittung:

06.09. Seele, eine, von Denis Kudalenko

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Bitte Euer Ende ganz unten als Kommentar einfügen …

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6 Responses to Kurzgeschichte: Der Spieler

  1. […] Schreibt ein Ende zu meiner Geschichte Jeder ist eingeleden, sein eigenes Ende zu meiner Geschichte um den Spieler Denis Kudalenko zu schreiben. Einfach hier Klicken:  Mitschreibgeschichte […]

  2. Krypskytter sagt:

    Dein eigenes Ende habe ich erst nach dem Schreiben gelesen. Meins ist weniger mystisch, hoffe es gefällt trotzdem ;):

    Er zog seine Augenbrauen zusammen, sog zischend Luft durch seine Nase und hob seinen Kopf. Obwohl alle angesprochenen Körperteile ihm eigentlich längst nicht mehr gehörten, schienen sie ihm noch gut zu gehorchen. Schnell stand er von der schmutzigen Matratze auf, ohne seine Hände dabei zur Hilfe zu nehmen, griff sich seinen Mantel und eilte zur Wohnungstüre.
    Als die Tür ins Schloss schlug halten seine Schritte bereits auf dem untersten Treppenabsatz wieder. Auf der Straße zog er das Tempo noch etwas mehr an, während seine Hände leicht zitternd in seinen Taschen nach etwas zu suchen schienen. Ein Lächeln huschte über seine Lippen als ein leises Klimpern aus einer seiner Taschen zu hören war. Ohne seine Schritte zu verlangsamen zog seine linke Hand mit der Beute ans Tageslicht. Na bitte! Wer sagte es denn! Das er überhaupt kein Geld mehr hatte war völlig übertrieben gewesen. Mit einem schnellen Blick überprüfte er das Kleingeld auf seiner Handfläche. Breit grinsend überquerte er die Straße und betrat das Internecafé.

    Er überprüfte die Preisliste. Wenn er nicht schon alles verkauft hätte, dann hätte er sich diesen Weg sparen können. Egal jetzt, er hatte keine Zeit zu jammern! Mit diesem letzten Geld würde er für 3 halbe Stunden Internetzeit kaufen können. Mit zusammengekniffenen Augen sah er sich um. Es war nicht viel los in dem kleinen Café, vier von sechs Computer warteten sehnsüchtig auf einen Kunden. Der Cafébetreiber, ein kleiner gedrungener Mann mit einer Nickelbrille auf der Nase, sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Denis Kudalenko bezahlte für 90 Minuten, nachdem er sich vergewissert hatte, dass er seine Internetzeit unterbrechen und Minutenweise einsetzen konnte. Noch einmal sah sah er sich in dem kleinen Raum um, bevor er auf einen PC direkt am Fenster zuging. Wenn er schon den Großteil seines Lebens in zumeist abgedunkelten Spielhöllen ohne Tageslicht verbracht hatte, so wollte er doch zumindest an seinem vielleicht letzten Tag ein wenig Sonnenlicht genießen. Auch wenn es draußen bewölkt war, war das Licht noch angenehmer als in den meisten Spielhöllen. In den nächsten Stunden flogen, mit Unterbrechungen aufgrund der begrenzten Minutenzahl, seine Finger immer wieder über die Tastatur des Computers während Denis Kudalenko den Bildschirm nicht mehr aus seinen Augen lies. Es war bereits dunkel, als er mit leichtem Schritt und zufriedenen Lächeln das Café verließ. Auf der Straße steckte er leise pfeifend einen Stapel Papiere in seine Manteltasche und machte sich beschwingt auf den Weg nach Hause.

    Ein lautes Klopfen lies ihn von seiner fleckigen Matratze hoch schrecken. Denis Kudalenko holte tief Luft, stand auf und ging mit langsamen Schritten zur Tür. Seine Hand schloss sich fest um den Türgriff. Er senkte den Kopf und hielt einen Moment inne. Es klopfte erneut. Diesmal klang das Klopfen irgendwie ungeduldig, verärgert. Noch einmal holte er tief Luft, hob seinen Kopf und riss mit einem schnellen Ruck die Tür auf. Im letzten Moment stoppte die dicke, große Faust genau vor seinem Gesicht und Barkus Gehilfe sah diesen fragend an. Ein kaum wahrnehmbares Kopfschütteln und der Dicke zog seine Hand zurück.
    „Wir sind gekommen, um zu holen was uns gehört.“, Barkus nickte mit seinem Kopf in Richtung Wohnung und seine beiden Gehilfen schoben Denis Kudalenko mit einer unsanften Bewegung nach drinnen. Denis Kudalenko rutschte das Herz in die Hose. Mit unruhigem Blick sah er von einem zum anderen. Es bildeten sich kleine Schweißtropfen auf seiner Stirn. Sein Atem wurde beinahe unmerklich schneller und flacher, während er versuchte Barkus fest in die Augen zu sehen.
    „Hast Du das Geld?“, zischte Barkus mit kaum höhrbarer Stimme in sein Ohr, „Oder sollen wir uns Stück für Stück nehmen, was wir erworben haben?“ Mit einem Lächeln strich er Denis Kudalenko die Wange entlang und hob ihm das Kinn, dieser schloss kurz seine Augen. Im Augenwinkel sah Denis Kudalenko wie einer der Dicken eine große Tasche abstellte, sie öffnete und sich genussvoll mit dem Inhalt der selben Beschäftigte. Wortlos erwiderte er Barkus Blick und hielt ihm mit leicht zitternder Hand den Stapel Papiere unter die Nase.

    Barkus stutzte. Er ging einen Schritt zurück während er den Stapel entgegen nahm. Denis Kudalenko beobachtete ihn angespannt wie er mit zusammengekniffenen Augen die Papiere überflog. Die beiden Dicken grunzten. Der mit der Tasche starrte Barkus mit offenem Mund und großen Augen an. So als könne er es nicht glauben, dass ihm vielleicht der ganze Spaß durch die Lappen gehen sollte. Denis Kudalenko hielt den Atem an, als Barkus donnernd loslachte:
    „Es scheint als wärst Du lebend und in einem Stück mehr wert.“
    Mit diesen Worten gab er Denis Kudalenko die Papiere zurück, bedeutete den beiden Dicken mit seinen Augen zur Tür zu gehen. Diese starrten zuerst sich, dann Barkus und als letztes Denis Kudalenko mit weit aufgerissenen Augen und Mündern an. Denis Kudalenko konnte ihre schlecht geputzten Zähne sehen und sah angewidert weg.
    „Ich gebe Dir genau zwei Wochen. Und versuch nicht abzuhauen, es wäre zwecklos.“, raunte Barkus leise bevor er die Tür hinter sich und den beiden Dicken zuzog.

    Als er unten die Tür ins Schloss fallen hörte fing Denis Kudalenko lauthals wie irre an zu lachen. Atemlos japste er nach Luft, während er lachend in die Knie ging. Lautlos glitten die Papiere zu Boden.
    Es waren mehrere erfolgte Versteigerungen bei Ebay. „Dinner mit einem Totgeweihten“ stand oben drauf.

  3. Axel Baumgart sagt:

    Vielen Dank für Deine Version eines Endes. Mir gefällt Dein Ende sehr. Ich wäre nie auf diese Variante gekommen. Ich bin gespannt, ob sich noch mehr an dieser Idee beteiligen.
    Axel

  4. Krypskytter sagt:

    Das ist ja meistens so, zumindest mir geht es so, wenn ich eine Geschichte entwickle, dann hab ich ab irgendeinem Punkt einen Verlauf im Kopf & komm dann gar nicht mehr auf was anderes. Deshalb hab ich Dein Ende auch erst nach dem Schreiben gelesen, sonst wäre mir das ständig im Kopf rumgespukt bevor ich eine eigene Idee gehabt hätte.

    Ich hoffe, dass noch mehr „Enden“ geschrieben werden, ich wäre zumindest sehr gespannt! 😉

  5. Flieger sagt:

    ich kapiere diese gescjhichte nicht, kanne iner von euch mir helfen??

    Bitte!!!!!!!!!!

    MFG: Flieger

  6. Hallo Flieger, was genau verstehst Du nicht? wie er seine Schulden bezahlt, oder wie die Geschichte ausgeht?

    Beste Grüße
    Axel

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