Flug durch den Nebel


Flug durch den Nebel
Von Axel Baumgart

Eine weiße Wand. Wobei Wand nicht stimmt. Eine Wand ist konkret. Sie ist da. Fassbar. Dieses weiß ist unfassbar. Unbegreiflich. Einfach nur da. Es läßt keinen Raum für etwas anderes. Es gibt nur drinnen. 136 fremde Leute, die ihre Sicherheit, ihr Leben einem anderen Fremden anvertrauen. Und draußen. Unfassbar weiß.

Zeit und Raum gibt es nur drinnen. Draußen ist weiß. Es ist still. Drinnen hört man die Stille, draußen sieht man sie. Nur die Motoren und das Rascheln der Zeitungen. Ab und an ein Ding, manchmal ein Dong. Das Weiß ist nicht kalt und nicht warm. Es blendet nicht. Nur weiß. Ein Getränkewagen drinnen zerreißt brutal die Stille. Kaffee bitte. Mit Milch.

Die Störung entfernt sich. Wieder innere und äußere Stille. Wie groß weiß wohl ist? In Stunden, Metern, Litern? Kein Anfang, kein Ende. Plötzlich war es da und blieb.

Müdigkeit. Kommt sie aus mir heraus oder in mich hinein? Sie ist nicht weiß. Blau. Vielleicht grün. Niemals weiß. Weiß ist nur draußen.

Es bewegt sich nicht. Es steht. Wir stehen. Bewegungslos, still. Drinnen und draußen. Ein Fremder spricht durch den Lautsprecher. Noch 20 Minuten weiß. Drinnen laute Stille, draußen weiße Stille.

Ein Loch im Weiß. Vorbei. Das Weiß geht. Das Ende der Unendlichkeit. Ich sehe, wie es draußen lauter wird. Unaufhaltsam. Zeit und Raum sind in das Draußen zurückgekehrt. Oder gab es sie immer, nur nicht da, wo ich war? Ich bin zurück. Unleise, unweiß.

Anschnallen bitte. Wir landen in wenigen Minuten.

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