Kurzgeschichte: Tiefe Wasser

Dienstag, 22. April 2008

Tiefe Wasser
Von Axel Baumgart

Ich bin aber auch ein Blödmann. Wie konnte ich mich nur überreden lassen. Ich kann nicht schwimmen und konnte es noch nie. Weder hatte ich jemals das Bedürfnis, schwimmen zu lernen, noch hätte ich jemals eine Situation erlebt, in der ich als Nichtschwimmer einen Nachteil gehabt hätte. Als Gabi und Thomas dann mit der Idee kamen, wir könnten doch einmal einen gemeinsamen Segelurlaub machen, lachte ich herzhaft und lange, wussten die beiden doch nur zu gut um mein Verhältnis zu Wasser, sobald es tiefer und größer als eine Badewanne wurde. Nachdem ich mich beruhigt hatte, machten sie mir allerdings sehr schnell klar, wie Ernst ihnen der Vorschlag war. Auf diese Weise, waren sich beide sicher, würde ich nicht nur meine Angst vor dem Wasser verlieren, sondern auch durch das zumindest teilweise Leben auf dem Wasser eine ganz neue Lebensperspektive bekommen. Zugegeben, eine neue Lebensperspektive reizte mich schon. Den Rest des Beitrags lesen »

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Kurzgeschichte: Erster Alles

Sonntag, 16. März 2008

Erster Alles
Von Axel Baumgart

Als ich ein Kind war, spielten wir Fußball auf der Straße oder im Park, wenn wir von dort nicht vertrieben wurden. Beide Plätze hatten eines gemeinsam: Es gab kein richtiges Spielfeld. Nur zwei Tore. Wir spielten nach ganz einfachen Regeln:

Foul war, wenn einer laut „Aua“ sagte, und Weicheier durften nicht mitspielen. Torwart gab es keinen. Wer der letzte Mann seiner Mannschaft war, rief laut „Letzter Mann“ und durfte dann den Ball mit der Hand abwehren. Weil wir keinen Strafraum hatten, gab es nach einem Foul auch nie einen Elfmeter, sondern nur einen Freistoß. Seiten- und Torauslinien hatten wir nicht, folglich auch keine Ecken. Daraus ergab sich eine ganz simple Regel: Wenn es für eine der beiden Mannschaften eine bestimmt Anzahl Ecken hätte geben müssen, gab es stattdessen einen Elfmeter. Die Regel wurde für beide Mannschaften verbindlich von demjenigen bestimmt, der sie als erster laut ausrief: „Drei Ecken ’en Elfer!“ Damit war dann klar, nach jeweils drei nicht ausgeführten Eckstößen gab es einen Straftstoß.

Natürlich war es immer Niklas, der die Regel bestimmte. Niklas war sowieso unser „Erster Alles“. Ich weiß nicht, ob es an der fehlenden Fußballbegeisterung liegt, oder an der Tatsache, dass sie nicht aus dem Rheinland kommen. Auf jeden Fall kannten Freunde von mir diesen Begriff nicht, weshalb ich ihn kurz erklären möchte: Im Straßenfußball, wo es keine feste Mannschaften mit gewachsenen Hierarchien gibt, muß man die Frage, wer der „Chef“ auf dem Platz ist, anders regeln. Wer darf den ersten Freistoß schießen, wer den ersten Elfmeter? Die Lösung muss einfach sein, Diskussionen halten nur von Spiel ab. Wer in seiner Mannschaft als erster „Erster Alles“ rief, hatte damit diese Rechte für dieses Spiel erworben. Ohne Diskussion. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, bei dem Niklas nicht „Erster Alles“ seiner Mannschaft gewesen wäre.

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Kurzgeschichte: Die Anderen

Sonntag, 17. Februar 2008


Die Anderen
Von Axel Baumgart

Der Feuerwehrmann kämpft mit den Tränen. Erbarmungslos zoomt die Kamera auf den Tropfen, der sich aus dem Augenwinkel löst. Das ist genau die Art von Bild, die die Reporterin sucht. Das Bild muss eine Geschichte erzählen, die über die eigentliche Meldung hinausgeht. Etwas, was die Nachrichtensender der Konkurrenz nicht bringen.

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