Kurzgeschichte: Der Spieler

Montag, 18. August 2008

Der Spieler
Von Axel Baumgart

Denis Kudalenko hatte nicht mehr lange zu leben. Diese Erkenntnis basierte weder auf Röntgenbildern noch auf einer Krebserkrankung. Denis Kudalenko spielte auch nicht mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Aber das war auch so ziemlich das einzige, mit dem er nicht spielte. Karten, Würfel, Roulette, Sportwetten – es gab kein Spiel, auf das er sich nicht einließ, wenn nur der Einsatz hoch genug war und er viel Geld gewinnen konnte. Aber Denis Kudalenko hatte in den letzten Wochen nicht gewonnen. Er hatte viel gewagt. Nach jedem Verlust etwas mehr und etwas riskanter. Aber er hatte nicht gewonnen. Barkus hatte ihm immer wieder mit Geld geholfen und so ermöglicht, dass Denis Kudalenko wochenlang mit frischem Geld spielen konnte.

Vor eine halben Stunde war Barkus – Denis Kudalenko hatte erfahren, dass Barkus mit Vornamen Alvin hieß und sofort verstanden, warum er ohne Vornamen leben wollte – vor einer halben Stunde also war Barkus bei ihm gewesen. Seine Ansprache war ebenso kurz gewesen, wie die Haare seiner bewaffneten Begleiter:

„24 Stunden. Dann will ich Kohle sehen. Du kennst die Regeln. Ich hoffe, du hast das Geld.“

Ein anderer hätte vielleicht noch ein „Sonst …“ hinzugefügt. Bei Barkus bestand dafür aber keine Notwendigkeit. Jeder, der zu Barkus kam und Geld wollte, hörte die selben Worte:

„Ich verleihe nichts. Ich kaufe. Finger, Hände, Arme, Beine. Auch Köpfe. Wenn du mir etwas verkaufen willst, bekommst du es nur zurück, wenn du es mir wieder abkaufst. Wenn ich es sage. Zu meinem Preis. Was willst du mir heute verkaufen?“

Denis Kudalenko hatte jede Zelle, jedes Haar an Barkus verkauft. Morgen würde Barkus kommen, um sich zu holen, was ihm gehörte. Es sei denn, er konnte es zurückkaufen. Zum doppelten Preis. Das waren die Regeln von Barkus.

Alles, was sich zu Geld machen ließ, hatte Denis Kudalenko verkauft, bevor er zu Barkus gegangen war. Freunde hatte er schon lange keine mehr. Er lag auf seiner fleckigen Matratze und seine Gedanken drehten sich im Kreis, als sich plötzlich in der Kreismitte ein Punkt bildete. Sollte das wirklich die Lösung sein?

[An dieser Stelle möchte ich alle einladen, die Geschichte selber weiter zu schreiben und als Kommentar hier einzufügen. Mein eigenes Ende folgt hier:]

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